Read Platon und die Folgen by Christoph Quarch Online

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Das Buch stellt die zentralen Aspekte der Philosophie Platons vor und erl utert, wie sie den geistigen Diskurs des 3 Jahrtausends inspirieren k nnen.Seine Tugendethik weist einen Ausweg aus dem postmodernen Werterelativismus seine politische Philosophie ffnet den Blick f r ein post konomistisches globales Ethos seine Deutung der Natur begr ndet eine avancierte kologie seine Kosmologie bietet einen Deutungsrahmen f r die zeitgen ssische Quantenphysik, seine Ontologie feiert Lebendigkeit als Ma alles Guten, Wahren und Sch nen seine Philosophie des Eros liest sich als Programm einer zeitgem en spirituellen Lebenskunst.Daraus erkl rt sich das erstaunliche Potenzial f r eine Aktualisierung der platonischen Philosophie gerade in einer Zeit gravierender geistiger Umbr che Denn so wie Platon sein Denken an der epochalen Schwelle vom Mythos zum Logos entwickelte, so ist er ein kostbarer Gespr chspartner f r alle, die zu Beginn des 21 Jahrhunderts Ausschau halten nach einem neuen geistigen Paradigma....

Title : Platon und die Folgen
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ISBN : 9783476046352
ISBN13 : 978-3476046352
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : J.B Metzler Auflage 1 Aufl 2018 20 September 2018
Number of Pages : 186 Seiten
File Size : 992 KB
Status : Available For Download
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Platon und die Folgen Reviews

  • Martin Kasperzyk
    2019-04-08 20:40

    Dies Buch bietet eine leicht lesbare und gelungene Einführung in wichtige Grundmotive des Platonischen Denkens. Der Autor verknüpft seine Interpretation immer wieder mit der Hoffnung, dass ein „anderes“, eben an Platon orientiertes Denken auch einen Ausweg aus dem Konsumismus und Egoismus unserer Tage bieten kann. Der „alte“ Platon soll uns also nicht weniger aufzeigen als die Möglichkeit einer ganz anderen, neuen und guten Lebensweise für die Zukunft. Diesen Anspruch kann der Autor freilich, wie zu zeigen ist, nicht einlösen.Um dies zu verstehen, muss man den Gedankengang Christoph Quarchs nachvollziehen. Er untersucht Platons Philosophie einzig hinsichtlich dessen, was er eine „Philosophie der Lebendigkeit“ nennt. Platons Grundfrage sei keine theoretische, sondern die alles entscheidende Frage lautet, auf welche Weise man ein gutes Leben führen kann. Um diese Frage aber beantworten zu können, geht Platon einen Weg, der ihn weit in die Metaphysik führt. Wenn es also Platon gelingt, eine Metaphysik vorzulegen, die uns begründet davon überzeugen kann, wie wir gut zu leben haben, erst dann wäre zu entscheiden, ob wir – so wie wir in unserer Zeit, in der Moderne leben – in unserem aktuellen Weltzustand eben nicht gut zu leben verstehen, wie der Autor meint. M.a.W. es soll erst auf dem Boden einer überzeugenden Metaphysik die lebenspraktische Frage nach dem je eigenen guten Leben zu beantworten sein. Ist dieser Gedanke selbstverständlich oder kann man die Frage nach dem Guten auch ohne Rückgriff auf eine Metaphysik beantworten? Quarch beantwortet diese Frage nicht.Wie sieht diese platonische Metaphysik nun aus? Alles, was sich uns in der Erscheinungswelt bietet, also die physis, ist nach Platon/Quarch grundlegend geprägt durch die psyche. Diese wird bei Quarch nicht als Seele verstanden, sondern als „Lebendigkeit“, als Grund der Lebendigkeit, als Grund des Erscheinens von allem Seienden. „Psyche ist eine Gottheit, weil sie Grund, Prinzip, Quelle, Ursprung aller physis ist, des geordneten Erscheinens und des Seins der Phänomene dieser Welt“ (27). Psyche ist das sich und anderes Bewegende oder mit Heraklit gesprochen: „ ewiglebende Energie (Feuer), aufflammend nach Maßen und verlöschend nach Maßen (Fr.30). Am Rande sei bemerkt, dass mir unklar bleibt, welche Funktion dann noch der später im Buch behandelte Begriff des Eros als vitaler Urenergie zusätzlich zukommt.In seinem großartigen Dialog „Philebos“ denkt Platon ein Unbegrenztes (apeiron), das sich entfaltet in die Vielfalt des Begrenzten (peras). Dies sei, so Quarch, nichts anderes als die Idee. Die Idee werde missverstanden, wenn sie als außerhalb der Welt Seiendes gefasst wird. Vielmehr ist sie nichts anderes als die Wirklichkeit jedes Seienden, erwirkt aus der bloßen Möglichkeit, dem Grenzenlosen. Die bloße Möglichkeit des Grenzenlosen wird durch den Geist (nous) zum Begrenzten in der Idee. Es sind die Ideen, die sich als Wirkliches am bloß Möglichen bewähren, um das Werden zum Sein der Phänomene dieser Welt zu erwirken. Ideen sind dasjenige, dem sich das bestimmte Sosein der Phänomene verdankt. Ideen sind „Wirkquanten“, sie sind nur in der Wirkung des menschlichen Erkennens und Bestimmens da. Schöne Dinge etwa sind nur deshalb schön, weil sie in der Idee „Schönheit“ als schön erscheinen.In der Interpretation Quarchs ist der Nous (Geist) das ordnende Moment, das allem Werden und Wachsen eine sinnvolle Richtung gibt, eine sinnsteuernde Instanz. Er lässt überall „Harmonie und Stimmigkeit, Gleichgewicht und Ganzheit lebender System zu“.Platon legt also nach Quarch eine, wenn auch eine bisher im Abendland kaum gewürdigte, großartige Metaphysik des Lebens vor. Kurz und grob zusammengefasst: die psyche ist die Urkraft der Welt, die sich des nous als ordnender Kraft bedient, die sich wiederum der Ideen bedient, wodurch erst die Einzeldinge entstehen.Der kritische Leser wird hier bemerken, dass Christoph Quarch allzu schnell von dem, was die ganze Welt steuert und prägt, nämlich vom Geist oder nous, auf eine „Harmonie“ der Welt schließt. Wenn der nous (Geist) alles steuert, so entsteht zwar etwas Gefügtes, es entsteht Leben, die Dinge, wie sie sind, aber die Dinge sind dadurch noch lange nicht gut oder sinnvoll aus menschlicher Perspektive oder harmonisch in einem moralischen Verständnis. Dies aber unterstellt Quarch, denn er verwendet den Begriff Harmonie meist in der Bedeutung einer sinnvollen, also auch moralisch guten Harmonie.Ist dieses Problem lösbar, wenn wir sagen, der nous ordnet alles harmonisch, weil er „Maß am Guten“, an der Idee des Guten nimmt, wie Quarch meint? Ich denke, hier liegt das Hauptproblem der Argumentation von Quarch: denn wie passt das zusammen: Ideen werden als Wirkquanten angesehen, als das, was das Unendliche begrenzt und in eine bestimmte Form und Gestalt bringt. Wie kann es dann aber eine sogenannte oberste Idee des Guten geben, wonach der nous Maß nehmen soll? Einerseits schöpft sich der nous erst am Begrenzten seine Ideen, Ideen sind also Funktionen des nous, andererseits soll die Idee des Guten dem nous Maß geben und so eine „gute“ Harmonie ermöglichen. Wie kann die Idee des Guten Ursprung des Seins und des Werdens und Ursprung des Erkennens sein, wenn die Idee nur eine Funktion des nous ist?Solange nicht gezeigt ist, dass das Worumwillen allen Seins, welches die psyche vermöge ihres nous verfolgt, nicht das Gute ist, ist dieses Worumwillen jedem menschlichen Wünschen und Hoffen gegenüber völlig neutral. So gesehen wäre die großartige Metaphysik Platons zwar eine Erklärung der Welt, aber keine Erklärung, wie das Gute in die Welt kommt.Der Autor sieht natürlich diese Schwierigkeiten: im Vorscheinen und Erscheinen, kann etwas gut oder schlechter sein, maßvoll oder maßlos, wahrhaft oder trügerisch. Bei jedem Seienden bleibt es letztlich ungewiss, ob es in guter oder schlechter Verfassung erscheint. An einer Stelle des Buches heißt es, dass das Leben nicht per se, aus sich heraus zu voller Harmonie gedeiht. Wann kommt es also zur vollen Harmonie und wann nicht, welche Struktur ermöglicht das eine oder das andere? Wenn es nicht die Idee des Guten ist, was dann? Auf Seite 134 schreibt Quarch von einer Logik des Sowohl als auch. Damit sind wir aber der Willkür und dem blinden Zufall des nous ausgeliefert. Wie soll dann aber eine solch „neutrale“ Metaphysik uns zu einem guten Leben führen?Sind wir nicht doch auf den menschlichen Willen angewiesen, aus dem allein das gute oder böse Handeln folgt? Hat nicht also doch die neuzeitliche Philosophie, etwa die Moralphilosophie Kants Recht, wenn Sie unter Verzicht auf jede Metaphysik alleine auf den Willen des Ich abstellt? Demnach kann der Mensch nur dann, wenn er aus sich selbst heraus, also autonom entscheidet, dem blinden Walten der Naturkräfte einen guten Willen des Menschen entgegensetzen. An dieser Frage sieht man wie gewaltig die Aufgabe ist, aus einer Metaphysik ein gutes Handeln oder Leben (was nicht identisch ist) abzuleiten.Die weiteren Passagen in dem Buch, die sich mit der Bildung, paideia, befassen, sind daher zwar schön und gut, aber nicht wirklich als überzeugende Konsequenz aus einer begründeten Metaphysik geschöpft. Solange die psyche und der nous nicht wirklich aus sich selbst als gut erwiesen sind, sind Aussagen wie „wer im Einklang mit der psyche lebt, lebt wesentlich“ und wirklich lebendig, unbegründet.Nebenbei bemerkt: Platon tischt uns keine Lehre auf, sondern lädt uns wie der Autor zurecht meint, ein, selbständig zu philosophieren. Aber macht der Autor Quarch nicht doch aus Platon ein Lehrgebäude?Quarchs Buch ist dennoch sehr zu empfehlen, weil an ihm die ganze Schwierigkeit des metaphysischen Denkens offenbar wird. Leider bleibt es weiter eine bisher ungelöste Aufgabe, aus einer Metaphysik heraus gutes Leben und gutes Handeln zu rechtfertigen.