Read Magie und andere Geheimlehren in der Antike by Georg Luck Online

Title : Magie und andere Geheimlehren in der Antike
Author :
Rating :
ISBN : 3520489015
ISBN13 : 978-3520489012
Format Type : Audio Book
Language : Deutsch
Publisher : Kr ner 1 Januar 1990
Number of Pages : 466 Pages
File Size : 673 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Magie und andere Geheimlehren in der Antike Reviews

  • Reader1900 Buchfreund
    2019-03-11 18:28

    Rezension zu: Georg Luck, Magie und andere Geheimlehren in der Antike, Stuttgart: Kröner, 1990.Georg Luck (1926-2013) war ein hervorragender Philologe, ein Meister seines Faches. Im "Magie und andere Geheimlehren in der Antike" beschäftigt er sich mit dem Schamanismus, außersinnlichen Erfahrungen und Theurgie des Hellenentums, aber nicht nur, in und außerhalb der antiken Religion. Die Vielfalt würde uns sicherlich erschlagen, wüsste Luck nicht zu strukturieren. Er spricht eine sehr klare Sprache, bemüht sich, zu verstehen. Er ist unvoreingenommen, und noch wichtiger: ihm ist die antike Perspektive wichtig. Und das ist eine Seltenheit, die nur wenige seiner Kollegen pflegen. Außerdem lässt er antike Autoren zu Wort kommen, dass wir uns einen eigenen Eindruck von ihnen machen, rückt "Magie" und "Theurgie" ins richtige Licht. Nach seiner Lektüre, weiß der Leser so viel mehr als zuvor.Der Inhalt ist in sechs Kapitel unterteilt, doch fließt so vieles auch aus anderen Bereichen mit ein, dass der Kapitelname nur den "Haupttenor" angibt.Zum Inhalt:1. Magie2. Wunder3. Dämonologie4. Divination5. Astrologie6. AlchemieLuck wirft nicht mit Fakten und Fachjargon um sich; vielmehr erklärt er uns geduldig die verschiedenen Aspekte und Methoden der antiken Magie und Divination. Wir erfahren, dass die Alten das Pendel kannten, wahrscheinlich auch mit bunten Wahrsagekarten die Zukunft deuteten, Träume psychologisch und divinatorisch interpretierten, und dabei einen ganzheitlichen Ansatz pflegten, der nicht nur das Individuum, sondern auch sein Umfeld berücksichtigte. Da der abendländische Dualismus unbekannt war, sind die Übergänge zwischen Orakelwesen, Psychologie, Wissenschaft, Medizin, Philosophie und Heilkunst fließend gewesen. Die angeführten Beispiele sind beeindruckende Zeugnisse des antiken Holismus. Luck arbeitet sorgfältig, zitiert gewissenhaft und weist seine Quellen vor. Zu jedem Kapitel gibt es lange themenbezogene Auszüge aus der antiken Literatur. Auf dieser Weise kann sich der Leser sein eigenes Bild machen.1. MagieZunächst wird dieses Kapitel mit dem antiken Schamanismus und einigen Worten zur Psyche der Schamanen eingeleitet. Doch sollte man nicht zu viel erwarten, denn über die hellenischen Schamanen Abaris, Aristeas etc. erfährt der Leser wenig. Mit dem Schamanismus abschließend, teilt der Autor seine Gedanken über die Korrelation der Religion zur Magie mit uns, damit wir Unterschiede und Ähnlichkeiten erkennen, wenn diese im Buch erscheinen. Denn was die Römer und Hellenen unter Magie verstanden, unterscheidet sich sehr von der heutigen Vorstellung von der Materie. Sie unterscheideten die Magie in wohlwollend und übelwollend. Die Magie wurde in der Spätantike mit sehr vielen Beschwörungsformeln, Zeichen und Ideen aus dem Orient bereichert, besaß einen, wenn auch unbedeutend kleinen, spirituellen Aspekt. Sie gehörte nicht zur Religion. Philosophen wie Apollonios von Tyana oder Iamblichos nannte man Magier, ohne dass sie es gewesen sind. Apollonios bestreitet dies vehement, verachtet gar die Magier. Er war nämlich ein Schamane (griechischer Version). Die Hexerei war geächtet und verhasst - bei Göttern und Menschen. In Erzählungen begehen Hexen die abscheulichsten Taten, fordern die Götter heraus, sind von Leichnamen besessen und scheuen keine Gefahr, diese in ihren Besitz zu bringen. Die Hexerei wurde auch strafrechtlich belangt, sowohl in Rom als auch in Griechenland. Hexen wurden gefürchtet und verabscheut, Hexerei ist völlig negativ besetzt. Im Kapitel "Magie" ist Hexerei, Theurgie, Magie und Hermetik drin, immerhin differenziert Luck zwischen den altgriechischen Hermes und Hermes Trismegistos. Stellt klar, dass die Theurgie nicht Magie ist, sondern eine Wiederanknüpfung an den griechischen Schamanismus (Iatromantia).2. WunderIm zweiten Kapitel lernen wir sehr viel über die spirituellen Heilungen in den Tempeln des Asklepios. In der Spätantike war Asklepios sehr beliebt bei der Bevölkerung, ein Konkurrent Jesu, deshalb von Eusebios gehasst wie die Pest. So gut wie möglich, rekonstruiert Luck die Vorbereitung zur Inkubation und berichtet über Erfahrungen, die Menschen mit dieser Therapie gemacht haben. Die Heiler des Asklepios waren sehr häufig Priester des Asklepios und Mediziner, die altes mit neuem Wissen kombinierten und ihren Patienten mit Kuren, Diäten, Bädern, Kräuterumschlägen u.a. Linderung verschafften. Ich habe mich sehr gefreut zu erfahren, welche Lebensmittel bei diesen Diäten zugelassen waren. Heiler und Ärzte bemühten sich um Psyche und Leib der Patienten. Schilderungen der Begegnung mit dem Gott während der Inkubation, zeichnen einen humorvollen und gütigen Gott, dem auch die Seelenheilkunde nicht fremd war. Eines Tages besuchte der zehnjährige Epiphanes den Tempel des Gottes, denn er wollte sein Leiden kurieren lassen. In der Inkubation erschien ihm der Gott und fragte ihn, was er dafür bekommen würde, wenn er den Jungen heilt. Diese denkt nach und entscheidet ihm seine zehn Würfel zu schenken. Der Gott lacht und ist mit der Dankesgabe einverstanden. Der Junge wurde tatsächlich geheilt. Aus der Heilkunst (Physiatrie) ging die Medizin hervor, welche zwar den Schamanismus ablehnte, aber nicht die Götter.3. DämonologieDie Vorstellungen der antiken Menschen über die Daimonen waren komplex und Veränderungen unterworfen. Auch Philosophen machten sich Gedanken darüber. Übrigens hießen Daimonen ursprünglich nur die wohlwollenden Geister. Diese Geister waren stofflich gedacht, hausten in der unteren und oberen Atmosphäre. Luck hat seinem Text Gebete aus dem Corpus des Papyri Graecae Magicae hinzugefügt, denn diese reflektieren die Vorstellungen von den Göttern. Die Vielfalt an Gedanken scheint grenzenlos.4. DivinationDer Divination sind sehr viele Seiten vorbehalten. Über das Orakel von Delphi klärt er auf, dass kein Dampf aus der Erde den Bewusstseinszustand der Pythia veränderte; ihre Trance war autogen und erinnert an den Trancezustand heutiger Medien in traditionellen Kulturen. Die Antike kannte viele Divinationsmethoden (Bibliomantie, Dendromantie usw.), diese wurden seit hellenistischer Zeit immer mehr von Privatpersonen betrieben, so dass der Gang zu den Orakeln für viele obsolet wurde. Das ist ein Grund für den kurzzeitigen Niedergang des Orakels von Delphi in der späteren Antike, der andere, viel bedeutendere ist, dass Rom dem Orakel die Geldmittel entzog bzw. sich einverleibte, weil die Kaiser das Orakel schwächen wollten.Im Buch wird ein bedeutender Bericht aus dem "Leben der Philosophen und der Sophisten" des Eunapios von Sardes zitiert (S. 358). Eunapios berichtet über die präkognostischen Fähigkeiten des Platonikers und Theurgen Antoninus, den Sohn der Sosipatra. Der Philosoph sagte die Zerstörung des großen Serapistempels in Alexandrien voraus. 391 u.Z., ein Jahr nach seinem Tod, wurde der Tempel tatsächlich von Christen zerstört. Im Kreis seiner Schüler prophezeite der Philosoph den Anbruch eines trostlosen Zeitalters, dass eine "Düsternis von seltsamer Häßlichkeit über die schönsten Dinge der Welt herrschen" würde. Antoninus sollte recht behalten.Der Astrologie wird auch sehr viel Raum gegeben. Der Autor weist daraufhin, dass viele antike Dokumente noch in privater Sammlung sind oder von den Museen nicht freigegeben wurden, so dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Die Astrologie kam von Babylonien über Ägypten nach Griechenland, in einer Zeit, in der die Poleis am Boden lagen und der Schicksalsglaube überhand nahm. Es gab drei astrologische Hauptvorstellungen: 1. Die Planeten kündigen zukünftige Ereignisse an und beeinflussen den Menschen, 2. DIe Sterne und Planeten legen den Charakter eines Menschen fest. Das Schicksal ist festgelegt und unabänderlich, kann deshalb gedeutet werden, 3. Astraler Fatalismus: die Sterne prägen den Charakter des Menschen bei seiner Geburt, legen sein Leben fest, sein schlechter oder guter Charakter ist den Planeten geschuldet. Es gibt kein Entrinnen vom Willen des Schicksals. Manche Astrologen waren Philosophen und Autoren astrologischer Abhandlungen, so zum Beispiel der Stoiker Manilius; bei ihm fließen Stoizismus und Astrologie zusammen. In seinen Gedichten entfaltet sich eine gesamte Weltanschauung. Auszüge aus den antiken Texten werden kommentiert und erläutert.Das Buch umspannt das gesamte parapsychologische Repertoire der Antike, daher auch die Kulturgeschichte und Ritualistik der antiken Mittelmeerkultur. Gewisse Riten der hellenischen Religion reichen bis in die Steinzeit zurück (S. 45). Für Studenten der antiken Religion ist dieses Buch eine große Hilfe, auf jeder Seite lauern neue Erkenntnisse.Kenntnisse und Schreibstil des Autors fesseln den Leser. Das Buch empfehle ich allen Menschen, die sich für antike Religion und Theurgie interessieren. Hätte ich gleich zu G. Luck gegriffen, hätte ich mir andere Bücher sprichwörtlich sparen können. Ich bedanke mich nachträglich an Autor und Verlag für dieses unvergleichliche Werk akademischer Gelehrsamkeit.