Read Aufgearbeitete Anthroposophie: Bilanz einer Geisterfahrt by Karen Swassjan Online

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Swassjan unterzieht Helmut Zanders Werk Anthroposophie in Deutschland einer kritischen Lekt re und gibt dar ber hinaus einen Aufriss der geisteswissenschaftlich methodologischen Pr missen der Anthroposophie und ihres eigenen Geschichtsbegriffs....

Title : Aufgearbeitete Anthroposophie: Bilanz einer Geisterfahrt
Author :
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ISBN : 3723513247
ISBN13 : 978-3723513248
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : Verlag am Goetheanum Auflage 2., erw 16 November 2007
Number of Pages : 190 Seiten
File Size : 699 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Aufgearbeitete Anthroposophie: Bilanz einer Geisterfahrt Reviews

  • Quergedacht
    2019-03-20 22:40

    Lohnt es sich, eine Streitschrift über ein fast 2000-Seiten-Werk zu lesen, das man nicht kennt? Wenn Karen A. Swassjan" drauf steht: Ja.Man muss sich mühen mit seiner Streitschrift, so wie mit fast jedem Werk Swassjans. Nichts ist auch hier mal eben schnell flüssig weg zu lesen, sondern Herausforderung an sich selbst! Allein schon deshalb lohnt sich die Streitschrift!Weiter lohnt sie sich in der Sache selbst durch die Gegenüberstellung der Textpassagen von Priv.Doz. Zander mit Swassjans erbarmungslos klarer" Durchdringung des Stoffes, die er mit der ihm gemäßen Akribie anging.Der so belesene Zander wird von Swassjan nicht nur eloquent hinterfragt, sondern anhand seiner eigenen Aussagen auch entlarvt in Sachen anthroposophischer Kompetenz, wo offensichtlich Begreifen contra Belesenheit steht und Durchdringungstiefe contra Quantität.Besonders spannend wird es dort, wo der Historiker die Historie einer Sache - die der Anthroposophie - untersucht, "ohne sie in ihrem Wesen und ihrem Kern wirklich erfasst zu haben. Zanders Prämissen sind leicht zu eruieren. Er lässt auch keine Gelegenheit verstreichen, sie kundzutun. Es ist ein absoluter Historismus mit weit gestreuten, aber offensichtlichen Tochtergeschwülsten" ... Und selbst mit unbewaffnetem Auge" sieht Swassjan, dass es dabei um eine reine Denkkonstruktion geht.Swassjans Argumente sind mal wieder bestechend und erstaunlich, unbedingt lesenswert und bieten weiteren Stoff, sich selbst auch wieder in seiner Sicht zu hinterfragen.Seine Sprache überaus reich an schöpferischen Wendungen, die sich zu einer Treffsicherheit in den Analysen verdichten, dass man beim Lesen atemlos werden kann.Swassjan: Zander scheint vom Schlimmsten eingeholt zu werden, was sich ein Mann seines Metiers je vorstellen könnte. Intelligente Menschen lassen sich auf eich fachliches Gespräch nur unter der Bedingung ein, dass sie darüber im Bilde sind, was ihr Gegenüber sagt, vor allem aber darüber, was sie selbst sagen. ....Die Hürde der akademischen Fachsprache ist dabei zu nehmen; der Lohn ist Spannung selbst dort, wo es schwer ist. Vielleicht auch gerade deswegen.Christa Schyboll

  • Gabriele Savier-Dietz
    2019-03-03 19:33

    Mit seinem 2000-Seiten Opus hat der Theologe und Historiker Helmut Zander der akademischen Wissenschaft einen Bärendienst erwiesen - das demonstriert Karen Swassjan, selbst Professor der Philosophie und ausgewiesener Kenner der Anthroposophie in diesem kleinen Büchlein virtuos. Seine geistreiche, oft scharfe, prägnant formulierte Kritik, die er - allerdings öfter als es manchem Leser lieb sein wird - auch multilingual vorbringt, blamiert nicht nur Helmut Zander und diejenigen, die seine Habilitationsschrift angenommen haben, sondern auch prominente offizielle Vertreter der Anthroposophie, die offensichtlich einmal mehr vor einer "Wissenschaft" in die Knie gegangen sind, der es nicht um ein Verständnis der Sache geht, sondern um die Anwendung ihrer methodischen Prozeduren auf ein gewähltes Thema, unter denen der Patient (hier: Rudolf Steiners Anthroposophie) schon mausetot auf dem Seziertisch liegt, bevor der Diagnostiker Zander sein Messer zur weiteren Zerkleinerung ansetzt, ohne je auch nur den Versuch gemacht zu haben, das Ganze als solches verstehen zu wollen."Alles in allem: Kann man ein fast 2000-seitiges Buch schreiben, ohne den leisesten Schimmer davon zu haben, worum es geht? Die Frage darf eine rhetorische bleiben", schreibt Swassjan auf S. 92. In seiner spannenden und amüsanten Schrift begründet er dieses Fazit auf eine Weise, die weit über eine bloße Kritik hinausgeht. Ich kann sein Büchlein auch all jenen wärmstens empfehlen, die sich je mit der Frage befasst haben, wie weit sich unsere akademischen Wissenschaften mitunter von der Wirklichkeit ihres jeweiligen Untersuchungsgegenstands entfernt haben....Gabriele Savier

  • Krimosch
    2019-03-01 16:35

    Das Buch wurde mir als eine gründliche Auseinandersetzung mit Helmut Zanders 'Anthroposophie in Deutschland' empfohlen. Das ist es leider nicht. Ich räume gleich ein, dass ich dieses Werk Zanders nicht gelesen habe. (Ich kenne aber seine Steiner-Biografie, die ich sehr erhellend und spannend finde.) Trotzdem möchte ich meine Eindrücke zu Swassjans Buch schildern.Das Buch beginnt mit heftiger Polemik gegen Zander, der gleich im Untertitel als 'Geisterfahrer' bezeichnet wird. Dieser strebe an, 'Steiners Anthroposophie aus der Welt zu schaffen'. Er sei 'von seinem Sitzfleisch dermaßen in Beschlag genommen', dass er in seiner 'Vernichtungswut' 'silbenstecherisch' versuche, 'Steiners Privatleben auszuspionieren'. 'Ein Amokläufer in der Maske des respektablen Forschers'. So geht das viele Seiten weiter, bevor der Autor in seiner Kritik konkret wird.Swassjan listet Beispiele für 'Verfälschungen' auf, die Zanders Unwissenschaftlichkeit belegen sollen. Er legt die 'Ergebnisse seiner Analysen in Stichproben' vor, die in seinen Augen Zanders Vorgehensweise diskreditieren. Was da im Einzelnen gebracht wird, ist weniges und das ist wenig überzeugend. Bei zwei Zitaten scheint es wohl plausibel, dass sie in einen etwas anderen Zusammenhang gestellt gehören. Ein paar Dinge kann man gewiss auch anders interpretieren (war Steiner wirklich so unkantianisch, wie er findet?), aber Zander ist ja in seinen Aussagen generell sehr vorsichtig. Andere Kritikpunkte wirken wenig schlüssig, das Herumreiten auf einigen Druckfehlern und einer fehlenden Aufzählungsnummer ist kleinkrämerisch. Wenn auf den knapp 2000 Seiten von Zanders Analyse keine größeren Fehler als diese zu finden sind, dann spricht das eher für seine Seriösität und Gründlichkeit. Jedenfalls ist es erschreckend, dass er dann als 'intellektuell intensiv unbegabt' und als ein 'erpichter Lügner' beschimpft wird, dessen 'Habilitationsschaum' laut Habilitationsordnung (die ausführlich zitiert wird) hätte abgelehnt werden müssen.Swassjans Hauptkritik liegt ohnehin auf einer anderen Ebene. Sie betrifft Zanders Historismus, seine erklärte Absicht nämlich , Steiners Schriften zu kontextualisieren, d.h. in den kulturhistorischen Kontext seiner Zeit zu stellen. Dagegen fährt Swassjan heftige Attacken und zieht alle Register, um nachzuweisen, dass diese historisch-kritische Betrachtung für Steiner selbstverständlich völlig unangemessen ist. Die These, dass Steiner seine Erkenntnisse ausschließlich aus eigener Geistesforschung gewonnen habe und von literarischen Vorbildern im Umkreis der Theosophie unabhängig war, ist angesichts der detaillierten Belege Zanders (die selbst in der ironisierenden Wiedergabe durch Swassjan noch überzeugen) unhaltbar.Swassjan versucht schließlich eine philosophische Argumentation gegen den Historismus, die schwer nachvollziehbar ist. Der Leser fühlt sich mit ins Uferlose führenden gedanklichen Verbindungslinien zu bekannten und unbekannten Philosophen geradezu bombardiert und eher verwirrt als aufgeklärt. Jedenfalls trägt die weitschweifige Rhetorik nicht zur Klarstellung bei. Dass Swassjan sich gerne mit fremdsprachigen Zitaten schmückt, mag man ihm verzeihen, auch den Spaß am kryptischen Fremdwort. Aber manches könnte man schon klarer sagen. Leseprobe gefällig? 'Geschichte heißt wiederum: Referenzräume kulturgesellschaftlicher Konstruktivismen, die sich als mannigfaltige Diskurse kontextualisieren, deren Relevanz alleine in ihrer Fähigkeit liegt, sich ihrer selbst als teilbarer und permanent pluralisierbarer systemischer Äquifinalitäten bewusst zu werden.' (S. 95) Richtig, das wollte ich auch gerade sagen.Warum ist Swassjan so heftig gegen Zander? Er hat Angst. 'Sollte Zander recht haben, so bedeutete dies im Klartext ' das Todesurteil für die Anthroposophie.' (S. 15) Dann nämlich wäre für das Phänomen Steiner 'keine andre Erklärungshypothese übrig, als entweder sich selbst nicht verstanden zu haben oder aber ein Betrüger zu sein.'Angst ist ein schlechter Ratgeber.