Read Sexualisierte Gewalt: Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern by Helga Amesberger Online

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Sexualisierte Gewalt gegen Frauen w hrend der nationalsozialistischen Verfolgung war lange auf geringes wissenschaftliches Interesse gesto en Der Breitenwirkung dieses Buches ist es zu verdanken, dass nunmehr in Politik und ffentlichkeit das Bewusstsein f r sexualisierte Gewalt gewachsen ist, die von erzwungenem Nacktsein und Verweigerung jeglicher Intimsph re bis zu Zwangssterilisierung und Sexzwangsarbeit reicht Durch die Ber cksichtigung des Faktors Geschlecht und der Geschlechterverh ltnisse zwischen Opfern und T terInnen in der Analyse sexualisierter Gewalt erm glichen die Autorinnen neue Einblicke in die Machtstrukturen eines Konzentrationslagers Beleuchtet werden zudem Aspekte wie Menstruation, Schwangerschaft und Mutterschaft im KZ sowie die Auswirkungen von Verfolgung und traumatisierender Gewalterfahrungen auf das Leben nach 1945, insbesondere im Bereich Partnerschaft und Mutterschaft.F r die Neuausgabe des 2004 erstmals erschienenen Buches hat Elfriede Jelinek einen Essay verfasst, der in voller L nge enthalten ist Mit ihrem mutigen Buch werden die Autorinnen sich nicht nur Freunde machen M glicherweise l sst sich das Buch als Beitrag zur Differenzierung des Opfer Diskurses verstehen, wobei dem Topos von der hilflosen Frau durchaus neue Facetten hinzugef gt werden Bea Lundt, Frankfurter Rundschau...

Title : Sexualisierte Gewalt: Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern
Author :
Rating :
ISBN : 3854762194
ISBN13 : 978-3854762195
Format Type : E-Book
Language : Deutsch
Publisher : Mandelbaum Auflage 2., 1 Oktober 2007
Number of Pages : 360 Seiten
File Size : 999 KB
Status : Available For Download
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Sexualisierte Gewalt: Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern Reviews

  • Pyrrhon
    2019-04-23 06:01

    Ein akribisch aufbereitetes Buch über sexualisierte Gewalt in NS-Konzentrationslagern, wozu die Autorinnen 43 überlebende Frauen interviewt haben. Dass dieses Thema äußerst heikel und empfindlich ist, versteht sich von selbst. Umso bewundernswerter ist es, wie die drei Autorinnen damit umgehen: obwohl das Buch ein wissenschaftliches Werk ist, fehlt es nicht an Fingerspitzengefühl. Trotz großer Empathie für die Opfer, trotz höchstem wissenschaftlichen Anspruch ist das Buch ausgesprochen gut und leicht lesbar. Ein Beweis, dass ein soziologisches Werk auch ohne Soziologen-Quacksprech auskommt, dass es flüssig und verständlich geschrieben sein kann und trotzdem kompakt und gehaltvoll ist. Ich staunte immer wieder über konzise, treffsichere Formulierungen und die klare Ausdrucksweise. Wie bei wissenschaftlichen Werken üblich, werden erst ausführlich die Begriffe definiert, was bei weitem nicht so langweilig zu lesen ist wie es klingt: Was versteht man unter sexualisierter Gewalt, wie wird sie erlebt und ausgeübt? Welche Arten von Traumata gibt es, wie können die Reaktionen darauf ausfallen? Besonders interessant fand ich das Kapitel über "Die Bedeutung des Faktors Geschlecht für die Situation der Frauen während nationalsozialistischer Verfolgung" angefangen bei Gestapo-Verhören bis hin zur Aufnahme im Konzentrationslager.Man fragt sich unwillkürlich, ob die SS (oder wer auch immer) tatsächlich eine derart in sich geschlossene, beinah alles umfassende Prozedur planen konnte, um Menschen einzuschüchtern (martialisches Auftreten der Soldaten, Uniformen, Waffen, Hunde, nackter Spießrutenlauf durch Wächterspaliere, dunkle Andeutungen über ihr Schicksal), zu demütigen (Beschimpfung, Wegnehmen der Kleider, gemeinsames Duschen von Männern und Frauen) und vor allem zu entindividualisieren (Nacktheit, Rasur, Tätowieren, einheitliche Sträflingskleidung).Einen Hauptteil des Buches macht das Thema "Sexuelle Ausbeutung von Frauen in NS-Konzentrationslagern" aus. Dies geschah vor allem durch Zwangs-Sexarbeit in KZ-eigenen Bordellen, die die betroffenen Frauen in kurzer Zeit zugrunde richtete. Dabei gab es strenge hierarchische Unterschiede: Bordelle für (privilegierte) Häftlinge, für die SS, für Wehrmachtssoldaten (Zur Bekämpfung der Homosexualiät). Eine solch enorme Kenntnis der Strukuren und Abläufe in einem Konzentrationslager habe ich bisher nirgens vorgefunden.Zwei Fallgeschichten werden näher beleuchtet und mit Interviewpassagen belegt. Die wichtigen Kapitel "Schwangerschaft und Mutterschaft während der Verfolgung" und "Auswirkung von Verfolgung und sexualisierter Gewalt auf Partnerschaft und Mutterschaft" klingen theoretisch, haben mich aber so tief berührt und betroffen gemacht, dass ich mehrmals das Buch aus der Hand legen musste. Auch hier werden Interviews wiedergegeben. Beinahe alle befragten Opfer (manche haben sechs Jahre (!) in verschiedenen Konzentrationslagern überlebt) können bis heute nicht ihre konkrete Opferrolle in Worte fassen. Daher haben die Autorinnen haben in bewundernswerter Kleinarbeit und mit viel Feingefühl diese Interviews hermeneutisch interpretiert und damit ein hochauflösendes Puzzle über das Leben von weiblichen KZ-Häftlingen zusammengebaut. Auch wenn von diesen wenigen Frauen nur kurze Gesprächsausschnitte wiedergegeben sind, bekommt man einen erschütternden Einblick in ihr Leben und ihre Situation zur Zeit der Verfolgung. Das ist die Wirkung der wortwörtlich niedergeschriebenen Aussagen, die zwar oft holprig zu lesen sind, unterbrochen und abgehackt, aber soviel persönliches Schicksal erahnen lassen, dass es in Worten nicht zu fassen ist. So ergeht es mir und vor allem auch den befragten Frauen. Den Essay von Elfriede Jelinek halte ich aber für entbehrlich.

  • None
    2019-04-24 06:01

    Bei dem schwierigen Thema "Erfahrungen von Widerstandskämpferinnen mit sexualisierter Gewalt während der Verfolgung, Verhaftung und im KZ" gelingt es den Autorinnen ein sensibles Bild zu zeichnen. Mit Hilfe von Interviewausschnitten und deren Interpretationen geben sie nicht nur einen umfassenden Einblick in das Thema, sondern zeigen auch die Schwierigkeiten der Interbviewführung/ Bewertung der Zeitzeuginnenaussagen auf. Die nüchterne und sachliche Sprache ermöglicht sowohl eigene Schlüsse der Leserin/ des Lesers, als auch ein nicht durch Heroisierungen geprägten Blick.Für alle, die sich mit dem Themenbereich "Sexualität- Nationalsozialismus-Verfolgung" befassen wollen ein absolutes Muß. Der gender Aspekt ist gut eingebracht, Männer und ihre Erfahrungen werden, wenn vom Kontext gefordert, hinzugezogen. Mir als Geschichtsstudentin (Zeitgeschichte)hat dieses Buch sehr viele neue Anregungen gebracht und stellte eine große Hilfe dar.

  • Renata Skaznik
    2019-05-15 09:58

    das buch ist sehr theoriebezogen. der titel spricht von weiblichen erfahrungen, aber die tatsächliche interviews sind viel weniger vorhanden, als man es sich wünschen würde.aber wers theoretisch mag, dem könnte es gefallen. ich würde es mir nicht nochmal kaufen, das buch hat nicht im gerinsten mein interesse an dem thema gestillt.